DIAMM wird von der Arts and Humanities Research Board und The Andrew W Mellon Foundation finanziert und unterstützt.

Aufgabe von DIAMM (Digital Image Archive of Medieval Music) ist die Sammlung, Archivierung und, wenn nötig, digitale Aufbereitung elektronischer Aufnahmen von europäischen Handschriften mit mittelalterlicher mehrstimmiger Musik. Diese Quellen umfassen neben den seltenen vollständig erhaltenen Handschriften aus Europa, die bereits seit langem wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, vor allem die weitaus größere Anzahl handschriftlicher Fragmente, die oft kaum noch lesbar, datierbar und interpretierbar sind. Zusammen genommen bilden letztere eine reiche Ressource, die bislang vergleichsweise wenig beachtet wurde, weil diese Quellen, die von Verfall oder Verlust bedroht sind, meist schwer zugänglich bzw. schlecht lesbar sind und sich wegen ihrer Verstreutheit kaum vergleichen lassen.

DIAMM, ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Oxford und Royal Holloway (Universität London) hat ein neues Archiv für Aufnahmen dieser Quellen geschaffen, um ihre dauerhafte Bewahrung sicherzustellen um die detaillierte Erforschung der Musik und ihrer Quellen zu ermöglichen. Die erste Phase wurde 1998 vom Humanities Research Board finanziert, die zweite und dritte Phase werden durch umfangreiche, 1999 und 2001 zugesprochene Forschungsmittel des Arts and Humanities Research Board ermöglicht. Außerdem wird das Projekt durch erhebliche Zuwendungen der Mellon Foundation (USA) unterstützt.

Die erste Phase galt der Fotografie und digitalen Restaurierung von Fragmenten britischer Musikhandschriften des 15. Jahrhunderts, um sie als Faksimile zu veröffentlichen. In der nächsten Phase wurde das Projekt dahingehend erweitert, alle fragmentarischen sowie einige schwer zugängliche vollständige Handschriften vorreformatorischer englischer Mehrstimmigkeit zugänglich zu machen; gleichzeitig wurde unsere Aufnahmetechnik den neuen technischen Entwicklungen angepasst. Die dritte Phase dehnt den Erfassungsbereich von DIAMM auf alle europäischen Fragmente des Zeitraums 1300 bis 1450 aus, außerdem werden nun die verbleibenden britischen Manuskripte sowie im Rahmen des Möglichen weitere Quellen berücksichtigt. Das elektronische Archiv wurde in Zusammenarbeit mit dem Arts and Humanities Data Service und anderen britischen Institutionen auf Landesebene aufgebaut. Es soll auf lange Sicht zu einer internationalen Sammlung ausgebaut werden, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Zugang zu einem musikalischen Repertoire eröffnet, das bisher nur einer kleinen Gruppe von Spezialisten und selbst dann nur eingeschränkt zugänglich war. Die Website von DIAMM bietet bereits Archiven die Möglichkeit, ihre Sammlungen Forschern weltweit in einer durch Passwort geschützten Online-Datenbank zugänglich zu machen und gleichzeitig ihr Copyright als Eigentümer zu wahren.

Die Aufnahmen werden in digitaler Fotografie in hoher Auflösung angefertigt. Außerdem hat DIAMM hat auf der Basis von Bildbearbeitungsprogrammen neue Techniken der digitalen Nachbearbeitung bzw. "virtuellen Restauration" entwickelt, bei denen die Quellen selbst nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. So können auch bislang infolge von Beschädigung unlesbare Stellen sowie aufschlussreiche, während des Schreibprozesses vorgenommene Rasuren und Änderungen sichtbar gemacht werden.

Die bisher erzielten Ergebnisse haben gezeigt, dass mehrere musikalische Werke, die mit bloßem Auge nicht mehr zu entziffern waren oder überhaupt nicht als solche erkannt wurden, rekonstruiert und daraus Indizien zur Zuschreibung und Datierung gewonnen werden konnten. Die von DIAMM entwickelten Techniken und unsere langjährige Erfahrung werden bereits von anderen Arbeitsgruppen herangezogen, die sich ebenfalls mit frühen Handschriften und den besonderen Problemen beim Fotografieren beschädigter oder besonders empfindlicher Quellen beschäftigen. Digitale Bildbearbeitung hat den Rahmen und die Detailliertheit der Erforschung von Handschriften erweitert; man denke dabei an die genaue Analyse von Schreib- und Notationskonventionen, die bisher in dieser Dimension nicht mögliche systematische Untersuchung von Tintenfarbe, und die exaktere Bestimmung einzelner Hände und Schriften. Selbst für gut erhaltene Manuskripte, die bislang konventionelle Schwarzweiß-Fotografie ausreichend erschien, verspricht diese Technik wichtige Erkenntnisse. Der Einsatz von UV- und Infrarot-Licht erlaubt es, musikalische Aufzeichnungen durch starke Verschmutzungen oder mehrere Schreibschichten hindurch zu entziffern. Diese Neuerungen tragen zur archivalischen und konservatorischen Absicht unseres Projekts bei, begrenzen den aus fortschreitender Alterung resultierenden Quellenverlust und erweitern die Möglichkeiten der Handschriften-Untersuchung allgemein.

Zurzeit umfasst das DIAMM-Archiv Aufnahmen bekannter britischer Fragmente aus britischen und anderen europäischen Archiven. Zahlreiche staatliche Einrichtungen haben digitale Aufnahmen aus ihren eigenen Beständen beigetragen, während an kleineren Instituten, die über kein elektronisches Aufnahmestudio verfügen, Bilder mit unserer professionellen mobilen Aufnahme- und Beleuchtungstechnik gemacht werden konnten. In den Phasen zwei und drei unseres Projektes wurden bisher digitale Aufnahmen von etwa 550 Quellen (über 7500 Bilder) zusammengetragen, viele davon in einem langwierigen Prozess virtuell restauriert und somit erstmals wieder lesbar gemacht.